Der Kurs aus Sicht unseres Anleiters Jakob Klein
vielleicht habt ihr selbst schon einen HSN-Kurs besucht, möglicherweise seid ihr aber auch noch dabei, euch zu informieren, und wollt erfahren, wie unser niedrigschwelliger psychischer Erste-Hilfe-Kurs abläuft.


Je nachdem, ob der Kurs im Betrieb, in der Schule oder im Verein stattfindet, sieht der Kursraum ganz unterschiedlich aus – und passt sich so an die Bedürfnisse der Gruppe an. Dabei sind einige Merkmale immer gleich: Ein zertifizierter HSN-Anleiter bzw. eine HSN-Anleiterin leitet den Kurs und hat unsere PowerPoint-Folien dabei, die über einen Beamer, einen Bildschirm o.ä. präsentiert werden. Dabei geben die Folien dem Kurs zwar eine Struktur, oft ist aber viel wertvoller, was die Teilnehmenden gemeinsam erarbeiten. Diese sitzen meistens in einem Stuhlkreis – so können alle gut miteinander kommunizieren. Das ist natürlich nur ein Angebot. Niemand muss etwas erzählen.
Am Anfang wird ein geschützter Rahmen geschaffen: Es gibt das „Workshop-Du“, den Verweis auf die Schweigepflicht und den Eigenschutz.

Was ist eigentlich HSN?

Dann wird HSN als Erste-Hilfe-Kurs für die Seele kurz vorgestellt: Ähnlich einem medizinischen Erste-Hilfe-Kurs mit Reanimationstraining, möchten wir unsere Teilnehmenden Laien dazu befähigen, anderen Menschen in seelischen Nöten erste Hilfe zu leisten. Da wir ein von der Universität Regensburg wissenschaftlich begleitetes Projekt sind, werden alle Teilnehmenden eingeladen, unsere Evaluation über ihr Smartphone anonym und freiwillig auszufüllen.

Und was ist seelische Not?

Wir stellen als erstes die Frage, was eine seelische Not eigentlich ist. Dafür dürfen sich alle anhand eines Zahlenstrahls von 0 bis 100 aufstellen und bewerten, wie groß ihrer Meinung nach eine Krise für die vorgestellte Person ist. Dabei werden verschiedene Szenarien vorgelesen. Da ist das kleine Mädchen, das sich auf dem Jahrmarkt verlaufen hat, oder der Mann, der sagt, dass er sich irgendwann „einfach die Kugel geben“ will. Dabei entstehen oft schon interessante Gespräche zwischen den Teilnehmenden, und man erarbeitet als Gruppe, welche Kriterien für eine seelische Not entscheidend sind. Unser Ziel ist es, aufzuzeigen, wie individuell Krisen empfunden werden.

Anschließend stellen wir das Modell des Seelischen Gleichgewichts vor. Seelische Not entsteht, wenn ein Ungleichgewicht zwischen Emotionen auf der einen Seite und ihrer Regulierung auf der anderen Seite herrscht.

Ganz wichtig: Erfahrungstausch

Mit diesem Wissen startet ein ganz essenzieller Teil des Kurses: Teilnehmende sind eingeladen, Erfahrungen zu teilen. Sie können erzählen, wo sie schon einmal selbst als Ersthelfende tätig waren, was daran gut lief, und was vielleicht noch als schwierig empfunden wurde. Oft bieten sich hier schon Anwendungsbeispiele für unsere HSN-Handlungsschritte an.
HSN steht nämlich nicht nur für „Helfen in Seelischer Not“, sondern auch für „Hinschauen – Sprechen – Netzwerken“. Und genau darauf liegt der Fokus im weiteren Verlauf des Kurses.

Hinschauen

Zuerst wird bei „Hinschauen“ das Hinschauen zur Situation, zum Betroffenen und schließlich zu einem selbst behandelt. Beim Hinschauen steht die Leitemotion im Vordergrund, wobei Trauer, Angst und Wut besonders stark mit seelischen Nöten assoziiert sind. Interaktiv überlegt die Gruppe, woran man die jeweilige Emotion erkennen kann (Mimik, Gestik, Sprache etc.), welches Bedürfnis dahintersteckt, und wie man dieses befriedigen könnte. Dafür packen wir die „Lupe“ fürs genaue Hinschauen in unseren imaginären Erste-Hilfe-Koffer.

Beim „Hinschauen“ zu einem selbst stellen wir uns die Frage, warum es wichtig ist, auch auf sich selbst zu achten, wenn eigentlich gerade jemand anders in einer Krise steckt; und wie der Eigenschutz aussehen kann. Dafür haben wir das Symbol der Warnweste gewählt.

Sprechen

Schließlich geht es ums „Sprechen“. Dabei erarbeitet die Gruppe, wie ein gutes Gespräch allgemein ablaufen sollte – auf Augenhöhe, mit Ernstnehmen der Betroffenen und ruhiger, empathischer Sprache zum Beispiel. Dann wird es ganz konkret: Wie kann man ein gutes Gesprächsangebot in verschiedenen Situationen sein, in denen Angst, Trauer oder Wut im Vordergrund stehen? Gern sollen die Teilnehmende sich in Situationen reindenken und gemeinsam eine psychische Erste-Hilfe-Situation durchspielen. Dabei fällt auf, dass mit Sprechen eher ein aktives Zuhören gemeint ist – deswegen verwenden wir das Symbol eines Ohres.

Nun kommt das wichtige, oft belastende Thema Suizidalität. Wir erklären: Suizidankündigen müssen ernstgenommen werden, und das Ansprechen von Suizidalität führt nicht dazu, dass Betroffene sich tatsächlich suizidieren. Auch wenn Suizidalität komplex ist, können auch hier die HSN-Handlungsschritte angewendet werden. Was können Warnhinweise dafür sein, dass jemand suizidal ist? Wie spreche ich das am besten an? Welchen Netzwerkpartner gibt es?

Netzwerken

Und mit der letzten Frage gelangen wir schließlich zum dritten HSN-Handlungsschritt: dem „Netzwerken“. Die Gruppe teilt, welche Ressourcen sie kennt – ganz konkret und lokal. Familie, Freund:innen, Ärztinnen, Vertrauenslehrer; professionelle Hilfestellen wie der Kriseninterventionsdienst und die Telefonseelsorge. Die HSN-Anleitenden bringen natürlich auch eine Liste lokaler Anlaufstellen mit. Als letztes Symbol packen wir fürs Netzwerken ein Handy in den Erste-Hilfe-Koffer.

Für unsere wissenschaftliche Evaluation werden die Teilnehmenden zum Schluss gebeten, den zweiten Fragenbogen auszufüllen.

Unsere Lernplattform

Mit einem Handout mit dem wichtigsten Wissen aus dem Kurs, sowie einem Zugangscode zu unserer Lernplattform endet der HSN-Kurs. Dort können alle ihr Wissen zu Depression, Angststörung und Suizidalität noch vertiefen, sowie bald auch weitere Themen behandeln. Wir hoffen, dass die Teilnehmenden mit einer neuen Perspektive und unseren konkreten Handlungsschritten in Zukunft selbstbewusster psychische Erste Hilfe leisten.

Die wichtigsten Kernbotschaften stehen auf der letzten Folie:
Besser Handeln als nichts zu tun! Hinschauen statt Wegsehen! Schau auch gut auf dich selbst! Miteinander: Gemeinsam sind wir stark!

Ihr findet mehr Infos zu den nächsten Kursterminen hier.