„Du musst dich nur ein bisschen zusammennehmen“, heißt es oft. Oder: „Dann geh halt mal spazieren!“ Eine psychische Krise sieht man jemandem selten an. Derjenige trägt keinen Verband und hat keine Krücken. Trotzdem (oder gerade darum?) verdient es seelische Not, dass wir sie ernst nehmen. Genau darum geht es in unserer neuen kostenlosen Online-Vortragsreihe HSN-Impulse.

Die Idee dazu kam von unseren Anleitenden. Sie wünschten sich, mehr zum Thema psychische Gesundheit zu erfahren. Über den Kurs hinaus möchten sich auch viele Teilnehmende gerne weiter informieren. Daraus haben wir als HSN-Team ein Format entwickelt: sechs Perspektiven, sechs Donnerstagabende, jeweils anderthalb Stunden. Dabei war uns besonders wichtig, dass nicht nur Fachleute zu Wort kommen, sondern auch Menschen mit eigener Erfahrung.

Wie viele Menschen wohl zu so einem Vortrag kommen? Diese Frage haben wir uns im Team lange gestellt. Als die ersten Anmeldungen eintrudelten, habe ich die Zahl ehrlich gesagt dreimal nachgerechnet: Über 100 Menschen haben sich schon angemeldet. Wir sind stolz, aber auch vorsichtig, denn die Anmeldungen verteilen sich auf sechs Termine. Unser Ziel bleibt, dass wir bei jedem einzelnen Vortrag auf 100 Teilnehmende kommen.

Die Reihe startet rund um die bundesweite Woche der seelischen Gesundheit am 08. Oktober und setzt genau da einen Fokus: mehr Aufmerksamkeit für ein Thema, das zu oft im Verborgenen bleibt.

Die Inhalte der einzelnen Programmpunkte finden sich hier. Ich möchte an der Stelle gerne erzählen, warum ich mich ganz besonders auf die einzelnen Abende freue.

08.10. Sie sind da, wenn die Welt ins Wanken gerät (Sebastian Hoppe)

Einblicke in die Tätigkeit von Teams der Krisenintervention und Notfallseelsorge

Die Arbeit von Kriseninterventions- und Notfallseelsorgeteams ist für die meisten von uns eine unbekannte Welt. Zu meinem Freundeskreis gehören Sanitäter:innen, und so hatte ich die Gelegenheit mitzubekommen, wie belastend es sein kann, zu einem Unfallort zu fahren, ohne vorher zu wissen, was einen dort erwartet. Notfallseelsorger:innen werden oft genau an solche Orte gerufen, oder müssen zu den Angehörigen gehen und ihnen die schlimmste aller Nachrichten überbringen. Das ist eine Welt, die sich von außen kaum jemand wirklich vorstellen kann. Wie geht man mit so belastenden Ereignissen um und wie schützt man sich selbst, das erhoffe ich von Sebastian Hoppe zu erfahren.

15.10. Wenn die KI zuhört, aber nicht versteht (Christiane Kerbeck)

Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz für Menschen in psychischen Krisen

Diesen Vortrag halte ich selbst, als Expertin aus Erfahrung stelle ich meine eigenen Erfahrungen mit der KI zur Verfügung, um Verständnis zu schaffen, warum es manchmal heißt, die KI sei der/die bessere Therapeut:in. Und weil es bei EX-IN um Erfahrungen geht, wird es auch ein erfahrungsreicher Abend und nicht nur ein Vortrag. Ich versuche einen trialogischen Bogen zu spannen, das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten, aus der Perspektive der therapeutisch arbeitenden Menschen, aus der Angehörigensicht und natürlich auch aus der Betroffenensicht. KI und Therapie, was kann sie eigentlich leisten und wo sollten wir vorsichtig sein?

22.10. Zwischen Krise und Perspektive: Suizidprävention bei jungen Menschen (Christin Grevenhaus)

Christin Grevenhaus engagiert sich wie ich bei der NaSPro, dem Nationalen Suizidpräventionsprogramm. In der Arbeitsgruppe Kinder und Jugendliche kommt viel Wissen zusammen. Beide Gruppen gehen in der psychiatrischen Arbeit etwas verloren. Es ist schwer, adäquate Unterstützung zu bekommen. Umso wichtiger sind solche Vorträge und die Hinweise, wo es doch noch Unterstützung gibt. Ich bin schon sehr darauf gespannt.

29.10. Online. Vernetzt. Und einsam. (Stephan Dann)

Das Thema Einsamkeit ist bei HSN allgegenwärtig. Wir versuchen, Menschen aus dem Schweigen zu holen und Mut zu machen, mehr miteinander zu reden, gerade in schwierigen Situationen. Und da, wo Erwachsene schon kämpfen, haben es Kinder und Jugendliche besonders schwer. Social Media gibt einem das Gefühl, weit vernetzt zu sein. Und gleichzeitig steigt das Gefühl der Einsamkeit. Dieser Vortrag wird sicherlich nachdenklich machen. Und es braucht an der Stelle viel Nachdenken, denn Einsamkeit macht krank.

05.11. Suizidalität verstehen (Prof. Dr. Peter Kreuzer)

In jedem Kurs erleben wir, wie groß der Gesprächsbedarf zu diesem Thema ist, besonders bei Menschen mit eigener Erfahrung, die sich damit oft allein gelassen fühlen. Suizidalität ist ein zentraler Baustein unseres Kurses: Wir versuchen Orientierung zu geben, wie man mit jemandem umgeht, der Suizidgedanken äußert, und merken dabei, wie alleingelassen Menschen sind, die in ihrem Alltag mit dem Thema in Berührung kommen. Umso mehr freut es mich, das Thema im eigenen Team verortet zu sehen, denn Prof. Peter Kreuzer ist nicht nur Teil unseres Teams, sondern auch im Vorstand unseres Vereins HSN – Helfen in seelischer Not e.V.

12.11. Sexualität in der Krise (Dr. Thula Koops)

Auch ein Thema, das eher tabu ist: Sexualität in der Krise. Ein Thema, das von sich aus oft nicht leicht zu besprechen ist, wird unter den Vorzeichen einer Krise noch einmal erschwert. Darum ist es ganz wichtig, dass wir es aus dem Tabu holen. Ich bin gespannt.

Alle Termine sind online und kostenlos, jeweils donnerstags von 19 bis 20:30 Uhr.

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