Was ein Vortrag von Dr. Croos-Müller über den Start in den Tag verrät 

Beim 15. Bayerischen Selbsthilfekongress im Amberger Congress Centrum, veranstaltet von der Selbsthilfekoordination Bayern (SeKo Bayern), durften wir Dr. med. Claudia Croos-Müller mit ihrem Vortrag live erleben „Ein guter Tag fängt morgens an – stärkender Umgang mit sich selbst“, direkt am Vormittag. Und was für ein Einstieg das war: Eine kleine, zierliche Frau voller Energie und Witz stand fröhlich auf der Bühne und hat das ganze Publikum mitgerissen. Zwischendurch ließ sie alle aufstehen, sich strecken, tief einatmen. Man hat regelrecht gespürt, wie sich die Stimmung im Raum veränderte. 

Warum der Morgen mehr entscheidet, als wir denken 

Ihre zentrale These: Viele Menschen bringen ihr Nervensystem schon beim Aufwachen in Aufruhr, ohne es zu merken. Wer gleich aus dem Bett springt, ins Bad hetzt und direkt in den Tag stolpert, startet oft schon, noch bevor überhaupt etwas passiert ist, gestresst. Dabei lässt sich mit ein paar kleinen Ritualen viel bewirken. 

Kleine Rituale mit großer Wirkung 

Ein paar Beispiele aus ihrem Repertoire: 

  • Liegen bleiben und dehnen, statt sofort aufzuspringen. Die Augen erst einmal geschlossen lassen. 
  • Dankbarkeit als erster Gedanke: Danke, dass ich aufgewacht bin, dass Hände und Füße sich bewegen lassen. Kurz in den Körper hineinspüren. 
  • Sanft über den Bauch streicheln: Dort verläuft der Vagusnerv, der Gehirn und Bauch verbindet. Wird er beruhigt, beruhigt sich der ganze Körper. 
  • Den Mund ausspülen: Über Nacht sammelt sich viel Cortisol im Speichel. Wer morgens schon aufgeregt ist, spuckt das warme Wasser aus. Wer schwer in die Gänge kommt, schluckt es runter. 
  • Ein Glas warmes Wasser trinken, um den Kreislauf sanft in Schwung zu bringen. 
  • Bewusst und aufrecht ins Bad gehen – Schultern gerade, tief in den Bauch atmen. Croos-Müller fragte dazu ins Publikum: „Wer von Ihnen tanzt eigentlich morgens ins Badezimmer?“ (Ich nicht, aber warum eigentlich nicht?). Wer nicht tanzen mag, ein Hüftschwung reicht auch. 
  • Tageslicht tanken, sobald es geht, denn das bringt den inneren Rhythmus in Gang. 

Auch gegen aufkommende Angst gewappnet 

Ein Kniff, der mir aus ihren Büchern besonders hängen geblieben ist: Pfeifen oder auf einem Bein stehen. Das Gehirn kann sich nämlich nicht gleichzeitig auf Angst und diese Handlung konzentrieren, sondern muss sich entscheiden. Ein kleiner, wirkungsvoller Trick, um eine aufkommende Angst im Alltag zu unterbrechen. 

Für wen sind diese Übungen gedacht? 

Wichtig zu wissen: Diese kleinen Rituale sind für alle gedacht, die aktiver und entspannter in den Tag starten möchten. Sie ersetzen keine Therapie und sind kein Mittel gegen Depressionen oder Angststörungen. Dafür sind Ärzt:innen und Therapeut:innen die richtigen Ansprechpartner:innen. Aber als kleiner Alltagsbegleiter, auch für Menschen in einer schwierigen Phase, können sie eine echte Unterstützung sein – und sind ein schönes Geschenk. 

Lust auf mehr? 

Wer die Übungen nachlesen möchte: In ihrem Buch „Guten Morgen – Das kleine Überlebensbuch: Soforthilfe für Schwung und Energie statt Morgentief“ hat die Neurologin Dr. Croos-Müller genau diese Morgenrituale versammelt – mit den charakteristischen, humorvollen Illustrationen der Gute-Laune-Schafe. Wer die Übungen lieber sehen statt lesen möchte, findet auf YouTube kurze Videos dazu.

Und das Schönste: Diese kleinen Morgenrituale sind gelebte Selbstfürsorge. Genau das, was wir bei HSN auch Ersthelfenden ans Herz legen. Wer gut für sich selbst sorgt, kann auch für andere da sein. 


Mehr zum 15. Bayerischen Selbsthilfekongress und dem Vortrag von Dr. Croos-Müller gibt es im Rückblick der Selbsthilfekoordination Bayern.