Wer bist du und was ist deine Rolle bei HSN?

Mein Name ist Marina, ich bin Psychologin und arbeite als Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei HSN. In dieser Rolle bin ich besonders für den Forschungs- und Wissenschaftsbereich zuständig. Ansonsten unterstütze ich bei der inhaltlich-konzeptionellen (Weiter-) Entwicklung, stelle HSN bei Veranstaltungen vor, gebe HSN-Kurse und leite Ausbildungen.

Was hat dich dazu bewogen, bei HSN mitzumachen?

In meinem Beruf als Psychologin habe ich in der Klinik oft mitbekommen, welchen Einfluss das soziale Umfeld hat – sowohl derjenige, der sagt: „Stell‘ dich doch nicht so an, reiß dich zusammen“ als auch derjenige, der fragt: „Geht es dir aktuell gut? Ich mache mir Sorgen um dich und frage mich, ob es gut wäre, wenn du dir Unterstützung suchst“. Manche Menschen sind erst nach vielen Jahren mit chronifizierten Erkrankungen in die Klinik gekommen, weil sie sich ja „zusammenreißen sollten“. Und andere Krisen bräuchten vielleicht gar keine professionelle Behandlung, wenn rechtzeitig jemand da ist, der sagt: „Ich bin für dich da, du bist nicht allein“. Deshalb hat mich die Idee begeistert, die breite Bevölkerung in psychischer Erste Hilfe auszubilden, so wie es bei medizinischer Erste Hilfe ja schon lange gemacht wird. Es geht nicht darum, Therapeut:innen zu ersetzen oder Versorgungslücken zu füllen, sondern darum, dass vielleicht jemand hinschaut, wenn es wichtig ist.

Was ist dir bei deiner Arbeit bei HSN besonders wichtig?

Zu vermitteln, dass es bei psychischer Erste Hilfe gar nicht immer darum geht, ein schlimmes Gefühl „wegmachen zu müssen“: Wir wissen, dass es meist am hilfreichsten ist, wenn einfach jemand da ist, der zuhört und sich authentisch interessiert. Trotzdem kennen wir alle die Gedanken: „Was ist, wenn das nicht reicht?“ oder „Was ist, wenn ich etwas falsch mache?“. Dann geht es eigentlich darum, dass wir als Ersthelfer:innen auch mal zu uns selbst hinschauen, also: Wo sind meine eigenen Hemmschwellen, aber auch meine Grenzen? Und wo wollen wir vielleicht unbedingt deshalb etwas tun, um selbst aus unserer eigenen Ratlosigkeit und Ohnmacht rauszukommen? Mir ist wichtig, dass psychische Erste Hilfe eben nicht bedeutet, die „armen Betroffenen“ mit der richtigen Gesprächstechnik zu retten, sondern dass auch wir als Helfende uns selbst reflektieren dürfen und müssen.

Was war bisher dein schönster oder einprägsamster Moment bei HSN?

Das Schöne ist, dass es gar nicht den einen Moment gibt, sondern eigentlich in fast jedem Kurs Momente entstehen, die mich besonders berühren: Wenn Menschen in den Austausch kommen und gemeinsam über ihre Erfahrungen sprechen oder über ihre Ängste, etwas falsch zu machen. Dann entsteht oft etwas sehr Verbindendes, was für alle spürbar wird. Vor kurzem hat eine Frau (die übrigens selbst Psychologin war) am Ende eines Kurses gesagt: „Ich nehme als Neues mit, dass ich vielleicht nicht immer etwas lösen muss, sondern dass man sich auch mal zusammen hilflos fühlen darf“. Das fand ich klasse!

Was möchtest du Menschen mitgeben, die sich für HSN interessieren oder gerade den Kurs gemacht haben?

Ihr seid super! Im Ernst: Dass wir uns für andere Menschen interessieren und nicht wegschauen, ist doch in unserer Gesellschaft wichtig wie nie. Ich finde das unglaublich toll, dass sich so viele Menschen engagieren, indem sie hinschauen, HSN-Kurse buchen oder sich sogar selbst zum/zur HSN-Kursleiter:in ausbilden lassen. Übrigens noch ein kleiner Funfact aus der Forschung: für andere Menschen da zu sein, tut auch uns als Helfenden gut. In Studien berichten Menschen an Tagen, an denen sie andere unterstützt haben, von höherem Wohlbefinden, weniger Stresserleben und weniger Einsamkeit. Also ein Gewinn für alle.