Wer bist du und was ist deine Rolle bei HSN?

Mein Name ist Christiane Kerbeck. Ich habe eine qualifizierte Weiterbildung zur EX-IN Genesungsbegleiterin absolviert. Das heißt, ich habe aus meiner psychischen Erkrankung einen Beruf gemacht und nehme im Team die Stelle der Expertin in eigener Sache ein.

Als ich im Mai 2025 ins Team gekommen bin, war gar nicht so recht klar, was eigentlich meine Aufgabe ist. Bei HSN geht es um seelische Not, nicht um psychische Erkrankungen. Mittlerweile ist mir klar, je früher man mit anderen ins Gespräch kommt, seine Not und die Belastungen formulieren kann, umso seltener gerät man in den Teufelskreis einer psychischen Erkrankung. HSN ist Präventionsarbeit – und Erste Hilfe für die Seele rettet tatsächlich Menschenleben.

Wie Arbeit fühlt sich das bei mir selten an. Ich tobe mich aus. Ich tüftle. Ich habe Spaß. Ich netzwerke. Ich schreibe. Ich bastle Social-Media-Kampagnen und entwerfe Redaktionspläne. Ich darf die Inhalte mit meinen Erfahrungen bereichern. Als Referentin für bürgernahe Inhalte ist es mein Anliegen, HSN in die Welt zu tragen.

Was hat dich dazu beworgen, bei HSN mitzumachen?

Ich habe einen Job gesucht und er war gerade frei. Nein, tatsächlich hatte ich das Konzept schon in seiner Entstehungsphase kennengelernt und war vom ersten Moment an ein Fan. Es tat mir tatsächlich ein wenig leid, dass ich schon einen Job hatte. Als ich mich im letzten Jahr beruflich verändern wollte und das Team gerade eine Erweiterung suchte, ergab sich diese tolle Chance. In nur zwei Stunden vermitteln wir in drei einfachen Schritten, wie man mit Menschen ins Gespräch kommt, die in seelischer Not sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig reden ist. HSN räumt Unsicherheiten und Vorurteile aus und macht Menschen Mut. Das ist so dringend nötig. Gleichzeitig ist es ein visuelles, lebendiges Konzept, das eine klare Linie hat, aber durch das Einbringen eigener Erfahrungen für die Teilnehmenden einen nachhaltigen Effekt hat. HSN ist in der Praxis verankert und manchmal, wenn ich feststelle, dass es jemandem nicht gut geht, habe ich Bilder im Kopf. Die Lupe – schau genauer hin! Die Rettungsweste – wie kann ich mich selbst schützen?

Was ist dir bei deiner Arbeit bei HSN besonders wichtig?

Dass HSN im Team gelebt wird. Wir schauen hin, reden miteinander und so baut sich Stück für Stück nach außen ein Netzwerk auf. Meine Vision ist eine große HSN-Familie, vielleicht ein kleiner Pin am Revers, wo jeder erkennen kann: Wenn ich gerade Redebedarf habe, dann ist das die Person, die ich ansprechen kann. Ich möchte gerne, dass es Menschen gut geht. Und da ist „miteinander reden“ ein ganz entscheidender Baustein.

Was war bisher dein schönster und einprägsamster Moment bei HSN?

Ein Moment hat mich ganz besonders berührt. In einem Kurs, in dem ich dabei war, erzählte eine Teilnehmerin, dass sie jemanden durch einen Suizid verloren hat und dass sie sich auch nach Jahrzehnten noch fragt, was sie hätte anders machen können. Aus meiner Erfahrung heraus konnte ich ihr sagen: „Mit großer Wahrscheinlichkeit nichts“ – und ihr eine Begründung geben. Ich habe gemerkt, wie sie durchatmet und eine Last von ihren Schultern fällt. Das war für mich sehr berührend und für mich ist genau das HSN – gemeinsam hinschauen, miteinander sprechen und im Netzwerk die Situation einordnen. Ob sich Fragen sortieren oder Lösungen ergeben, man kommt gemeinsam ein Stück weiter.

Was möchtest du Menschen mitgeben, die sich für HSN interessieren oder gerade den Kurs gemacht haben?

An jene, die sich für HSN interessieren: Das ist auf jeden Fall der richtige Ort, um Fragen zu stellen und Unsicherheiten zu benennen. Es ist nicht nur eine Anleitung, wie ich anderen helfen kann, sondern es geht auch um Selbstschutz.

An jene, die gerade den Kurs gemacht haben: Empfehlt uns gerne weiter! Und wir sind offen für Feedback.

Folgt uns auch gerne auf unseren Social-Media-Kanälen. Dort nehmen wir euch regelmäßig mit und teilen Einblicke rund um psychische Erste Hilfe!